Produktionen eigener CDs

Hier finden Sie Informationen zu den drei neuesten CD-Produktionen.

Eucharistia

Christkatholische Messliturgie mit slavischen Melodien nach orthodoxer Tradition

Aufnahme
2004 in der christkatholischen Kirche Möhlin
Produktion
DuraphonStudio, Hugo Durandi
Leitung
Helene Ringgenberg

Mitwirkende
Bistumschor voces laudis
Mitglieder des Schweizer Romanos-Chors und des Chors Stevan Mokranjac
Liturgen
Urs von Arx, Klaus Wloemer, Klaus-Heinrich Neuhoff
Quartette
Isabel Schau, Helene Ringgenberg, Carole Soland, Brigitte Scholl, Klaus-Heinrich Neuhoff, Ulrich Hossbach, Frank Hentschel, Klaus Wloemer, Beat Senn

Bezug
Christkatholischer Medienverlag, Schönenbuchstr. 8, Postfach 55, CH-4123 Allschwil 2 medienverlag@christkath.ch, Preis CHF 25.

Titel


Kurzbeschrieb

Ende Februar 2004 nahm der Bistumschor voces laudis in der Kirche St. Leodegar in Möhlin die schon 1986 als Notenausgabe veröffentlichte Eucharistia (Christkatholische Messliturgie mit slawischen Melodien nach orthodoxer Tradition) auf. Schon lange bestand der Wunsch, die in verschiedenen Kirchgemeinden schon ganz oder auszugsweise gesungene Eucharistia auch mittels eines Tonträgers vorzustellen. Er ist jetzt dank der Initiative des Bistumschores verwirklicht. Nahezu alle Stücke der 50-seitigen Notenausgabe sind auf der CD vorhanden und bieten erstmals den interessierten Chören, Singgruppen und Kirchgemeinden eine Hilfe zur Einstudierung und Gestaltung einer Feier der Eucharistia.

Nicht nur das: Die CD ist so gestaltet, dass das Hören der ersten 23 Nummern manchen Menschen, die am Kirchenbesuch verhindert sind, ein "Gottesdienst-Gefühl" zu vermitteln vermag. Der Bistumschor wurde bei der Aufnahme von Sängerinnen und Sängern des Schweizer Romanos-Chors und des Chors Stevan Mokranjac unterstützt. Als reizvolle musikalische Abwechslung wurden einzelne Partien von ausgezeichneten Musikerinnen und Musikern aus der Mitte des Chores im Quartett realisiert; eine Möglichkeit, die auch in der Praxis den Kirchgemeinden zur Nachahmung empfohlen werden kann.

Die CD mit einer Spieldauer von 76 Minuten wird begleitet von einem illustrierten Booklet mit der vollständigen Wiedergabe der liturgischen Texte und einem Geleitwort auf Deutsch, Französisch und Englisch.

Zur CD gibt es seit 2013 eine neue Notenausgabe
(Fr. 18.00, erhältlich beim christkatholischen Medienverlag)

Einführung in die neue Notenausgabe (mit CD)

 Im Jahr 1986 veröffentlichte der Verein für Ostkirchliche Musik (VOM) die Notenausgabe von Eucharistia – Christkatholische Messliturgie mit slavischen Melodien nach orthodoxer Tradition für vier gemischte Stimmen mit dreistimmigen Varianten (VOM 508, Gersau 1986). Sie wurde vom Ostkirchenmusiker Peter Vitovec zusammen mit dem Unterzeichneten erarbeitet.

Erst viel später, nämlich 2004, folgte der Notenausgabe auch eine CD, die einer Initiative des 1998 gegründeten Bistumschores der Christkatholischen Kirche der Schweiz voces laudis zu verdanken ist. Die Aufnahme bietet interessierten Chören, Singgruppen und Kirchgemeinden eine konkrete Hilfe zur Verwendung der Eucharistia im Gottesdienst.

Die vorliegende neue Notenausgabe der Eucharistia, die mit Erlaubnis des Vereins für Ostkirchliche Musik als Rechtsträger erfolgt und ein kleineres Format aufweist, enthält alle 40 Stücke der CD, und zwar – im Unterschied zur Ausgabe von 1986 – in der Reihenfolge, wie sie auf dem Tonträger erscheinen. Das soll die Orientierung im Notenmaterial und auch das Einüben der Gesänge erleichtern. Einzelheiten zum Verhältnis der beiden Ausgaben sind unten vermerkt.


Hinweise zum Gebrauch

Als grundlegende Regel gilt, dass der musikalische Vortrag ganz dem Wort dient, dieses also die Dynamik des Singens bestimmt. Das bedeutet etwa, dass die Notenwerte nicht einen so festen Charakter haben wie in taktierter Musik, sondern als Annäherungen und Akzentuierungen zu verstehen sind. Das gilt auch für die Gliederungszeichen in den von den Liturgen vorgetragenen einstimmigen Stücken (Kantillation).

Die Tonhöhe, wie sie notiert ist, ist nicht absolut, sondern kann in Absprache zwischen Chor und Einzelstimme modifiziert werden; gelegentlich ist für die Einzelstimme auch eine Oktavierung möglich (z.B. Nr. 4, 24). Auf eine Instrumentalbegleitung muss verzichtet werden, da sie nicht zum musikalischen Stil passt.

Bei den vierstimmigen Chorstücken empfiehlt sich ein Wechsel zwischen Chor und Quartett (z.B. Nr. 2, 13, 20, 22, 35), wobei eine Antiphon (Nr. 13, 20) stets vom Chor, wenn möglich mit der Gemeinde, gesungen wird.

Der Intention der Eucharistia entsprechend legt es sich nahe, ganze Teile der Messliturgie zu singen, z.B. Eröffnung und Wortgottesdienst (also Nr. 1-10 mit den Varianten Nr. 24-28 und 37-39) oder Sakramentsgottesdienst und Abschluss (also Nr. 11-23 mit den Varianten Nr. 29-36 und 40), nicht einzelne, vom musikalischen Umfeld isolierte Stücke.

Die Gemeinde ist nachdrücklich eingeladen, die ihr ohnehin zukommenden Teile der Messliturgie mitzusingen: die Antworten auf die Rufe der Liturgen, die Antiphonen bei Psalmen, die (soweit vorhanden) Akklamationen im Eucharistiegebet, die fünf Ordinariums-teile Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus, das Vaterunser u.a.m. Dafür gibt es ein Gemeindeheft zum Herunterladen: Es enthält alle in Frage kommenden Stücke in vereinfachter Form. Diese können auch einzeln zu einem Faltblatt zuhanden der Gemeinde zusammengestellt werden.

Weitere Hinweise zum Anliegen und zur Vorgeschichte der Neuausgabe

Was im Vorwort der ersten Notenausgabe von 1986 hinsichtlich Begründung und Zielset-zung des Unternehmens ausgeführt wurde, lässt sich so zusammenfassen:

Die östliche Kirchenmusik – wie sie gemäss slavischen Traditionen etwa in den russischen, serbischen und bulgarischen Kirchen erklingt – kann eine Erfahrung erschliessen, die auch Menschen, die nicht einer orthodoxen Kirche angehören, für ihre eigene Frömmigkeit nicht mehr missen möchten: eine Wort und Musik verbindende, in die Tiefe führende Weise der Anbetung Gottes, die den ganzen Menschen ergreift.

Ostkirchliche Musik als gesungenes Wort hat ihren primären Ort in der Liturgie der orthodoxen Kirchen. Immer wieder wird solche Musik aber auch für westliche Gottes-dienste gewünscht und eingesetzt. Das kann auf verschiedene Weise geschehen. Wo gelegentlich liturgische Stücke aus dem ostkirchlichen Repertoire, in welcher Sprache auch immer, im Rahmen eines nicht-byzantinischen Gottesdienstes gesungen werden, bedarf es solider liturgietheologischer Kenntnisse und eines sicheren stilistischen Empfindens, damit nicht ein problematischer Mischmasch entsteht.

Was in der Eucharistia vorliegt, zielt in eine andere Richtung. Liturgische Struktur und Texte einerseits und musikalischer Ausdruck andererseits entstammen je einem verschiedenen Bereich. Was das erste angeht, handelt es sich um die Messliturgie der Christkatholischen Kirche der Schweiz, eine Liturgie also, die westlich-katholischen Traditionen verpflichtet ist. Der musikalische Ausdruck hingegen ist sowohl im vierstim-migen Chorgesang wie auch – und das ist ein wichtiger Punkt – in der dazu passenden einstimmigen Rezitation der Liturgen (Priester/in, Diakon/in, Kantor/in) geprägt von Weisen, wie sie sich im slavischen Bereich der orthodoxen Kirchen herausgebildet haben. Gottesdienstform und Musik stammen aber aus letztlich doch gemeinsamen Wurzeln.

Die «Uraufführung» der Eucharistia erfolgte am 24. Mai 1987 anlässlich der Delegierten-versammlung des Verbandes Christkatholischer Kirchenchöre in Solothurn (ad-hoc-Chor unter Peter Vitovec). Seitdem ist sie wiederholt in christkatholischen Gottesdiensten – ganz oder auszugsweise – gesungen worden. Sie hat sich also einen gewissen Platz im Leben der Kirche verschafft.

Die Einstudierung und die Aufnahmen für die CD fanden vom 27. bis zum 29. Februar 2004 in der St. Leodegar-Kirche in Möhlin (AG) statt. Dabei wurde der von Helene Ringgenberg geleitete Bistumschor von Sängerinnen und Sängern des Schweizer Romanos-Chors und des Chors Stevan Mokranjac (ihr erster Dirigent war Peter Vitovec), die sich schon früher an Aufführungen beteiligt hatten, unterstützt.

Angestrebt wurde eine Aufnahme, die zum einen dokumentiert, was mit einem nicht-professionellen, aber engagierten Chor in wechselnder Besetzung und in relativ kurzer Zeit erarbeitet werden kann, zum anderen aber zeigt, wie die Musik etwa klingen kann, wenn sie von Menschen gesungen wird, die in einer anderen kirchenmusikalischen Tradition als der slavisch-ostkirchlichen aufgewachsen sind.

Der Dokumentationscharakter der CD zeigt sich auch darin, dass möglichst viele Stücke der Notenausgabe von 1986 aufgenommen worden sind, also auch Varianten der wechselnden Teile der christkatholischen eucharistischen Liturgie, die in einem konkreten Gottesdienst ja nicht alle gesungen werden:

  • Ein erster Durchgang (Nr. 1-23) bietet, was in einer festlichen Messliturgie allenfalls zu Gehör kommen kann, wobei gesprochene Teile wie etwa die «Gemeinsame Vorbereitung mit Schuldbekenntnis und Vergebungsbitte» zu Beginn des Gottesdienstes und natürlich auch die Predigt entfallen.

  • Ein zweiter Durchgang (Nr. 24-36) – wiederum entlang dem Duktus der Messliturgie, deren Teile aber nicht vollständig mit einer Wiedergabe vertreten sind – lässt Gesangs-stücke hören, die als Ganzes oder in der musikalischen Fassung Alternativen sind.

  • Drittens finden sich am Schluss (Nr. 37-40) noch vereinzelte zusätzliche Varianten.

In der vorliegenden neuen Notenausgabe figurieren die drei oben genannten Teile der CD mit den Überschriften „Eucharistiefeier I“ (Nr. 1-23), „Eucharistiefeier II“ (Nr. 24-36) und „Anhang“ (Nr. 37-40). In „Eucharistiefeier II“ sind auch diejenigen Teile der Messliturgie (ohne Nummernangabe) verzeichnet, die auf der CD nicht mit einem Gesang vertreten sind.

Die Neuausgabe bietet im Weiteren die Noten von auf der CD gesungenen Stücken, die in der alten Ausgabe noch nicht vorhanden waren. Dazu gehören in erster Linie die einstim-migen Kantillationen von Liturgen, die entweder ausgeschrieben sind, wie das Eucharistie-gebet I in unterschiedlicher musikalischer Fassung (Nr. 17 bzw. 33), oder für deren Vortrag Modellmelodien angegeben sind (z.B. Nr. 8, 9 usw.). Dazu gehört ferner eine der erst nach 1986 in das Eucharistiegebet eingefügten Akklamationen, nämlich „Den Tod des Herrn verkünden wir ...“ (Nr. 17 und 33). Die neue Ausgabe enthält auch einige wenige Elemente, die aus verschiedenen Gründen nicht (so in Nr. 1, 12, 29, 31, 33, 33a) oder nicht zur Gänze (so in Nr. 20, 22) auf der CD zu hören sind, was jeweils eigens vermerkt wird.

Zudem sind die Psalmverse, die nach Melodiemodellen mit unterschiedlichen Anfangstönen zu singen sind, einzeln ausgeschrieben, was die Ausführung erheblich erleichtert.

Schliesslich bringt die Neuausgabe (auf S. 51) noch das erst spät in die erneuerte Mess-liturgie aufgenommene Wort zur Brotbrechung „Das Heilige den Heiligen ...“; es steht weder in der alten Notenausgabe noch ist es auf der CD zu hören.

Alle neuen Stücke hat Peter Vitovec noch vor seinem zu frühen Tod arrangiert.

Die Neuausgabe enthält nur eine vollständig notierte Präfation aus dem 2004 erschienenen ersten Band des Christkatholischen Gebet- und Gesangbuches (CG I Nr. 178: Sonntage nach Pfingsten) und nur ein Eucharistiegebet (nach dem Sanctus) in zwei ebenfalls vollständig notierten musikalischen Fassungen (CG I Nr. 111: Eucharistiegebet I).

Liturgen können weitere Präfationen aus dem CG I in ausnotierter Fassung beim Christkatholischen Medienverlag anfordern, nämlich CG I Nr. 126, 131, 142, 145, 151, 165, 203, 211, 218, 222, 227, 233. Sollte mit der Zeit ein Bedarf für die ausnotierten Eucharistie-gebete II und III sowie das ohne Präfation und Sanctus gesungene Eucharistiegebet V (CG I Nr. 112, 113, 115) entstehen, können diese ebenfalls bestellt werden.

Die neue Notenausgabe mit beigefügter CD ist zum Richtpreis von CHF 18.00 zu beziehen beim Christkatholischen Medienverlag, 4123 Allschwil (medienverlag@christkatholisch.ch). Zum einfachen Hören oder zum Verschenken eignet sich nach wie vor die immer noch erhältliche CD von 2004.

Musikalische Betreuung
Helene Ringgenberg (Bern)
Typographische Gestaltung
Willi Rechsteiner (Ostermundigen)
Titelblatt
Annina Mosimann (Utzigen)

Bern, am Fest der hl. Apostel Petrus und Paulus, 2013

Urs von Arx

Carl Attenhofer -
Die Deutschen Messen

Christkatholischer Bistumschor voces laudis

Leitung
Helene Ringgenberg

Solo-Quartette
Adrienne Müller, Kristina Nyfeler, Jürg Weingart, Beat Senn, Isabel Schau, Manuela Mumenthaler, Klaus Heinrich Neuhoff, Klaus Wloemer

Klaus Wloemer - Flöte, Olivier Darbellay - Horn, Isabel Schau - Violine, Magdalena Vonlanthen - Klavier (Meier), Milena Mateva - Klavier (Sack), Harald von Arx - Orgel

Bezug
Christkatholischer Medienverlag, Schönenbuchstr. 8, Postfach 55, CH-4123 Allschwil 2 medienverlag@christkath.ch, Preis CHF 25.

Carl Attenhofer

Carl (auch Karl) Attenhofer wurde am 5. Mai 1837 in Wettingen (AG) geboren. Er studierte Musik an der damals hoch renommierten Musikhochschule Leipzig bei Ernst Richter, Benjamin Robert Papperitz (beide Musiktheorie und Komposition), Engelbert Röntgen (Violine) und Konrad Schleinitz (Gesang). Seit seiner Leipziger Zeit verband ihn eine herzliche Freundschaft mit dem Komponisten Friedrich Hegar (*1841). 1859 nahm Attenhofer eine Stelle als Musiklehrer in Muri (AG) an. Am eidgenössischen Musikfest 1866 erregte er mit seinem Männerchor Rapperswil solch grosses Aufsehen, dass er einen Ruf als Chorleiter des Zürcher Männerchors erhielt.

In Zürich arbeitete Attenhofer – ausser als Leiter grosser Männerchöre – als Lehrer am Konservatorium, dessen Direktor er zusammen mit Friedrich Hegar im Jahr 1896 wurde. Schon 1889 hatte ihm die Universität Zürich den Titel eines Dr. honoris causa verliehen. Von 1878 bis 1912 war Attenhofer, der sich nach dem 1. Vatikanischen Konzil (1870) bewusst der altkatholischen Bewegung angeschlossen hatte, Leiter des christkatholischen Kirchenchors an der Augustinerkirche in Zürich, für den er verschiedenste Kompositionen schuf. Am 22. Mai 1914 starb Carl Attenhofer in Zürich.

Neben zahlreichen Sammlungen und Einzelkompositionen für Männerchor, Kompositionen für gemischten Chor und Frauenchor, Klavierliedern und Kinderliedern entstanden aus seiner Hand auch Klavierstücke und Etüden für Violine. Dass Carl Attenhofer von Hugo Riemann in die 9. Auflage (1919) seines Musiklexikons aufgenommen worden ist, illustriert seine Bedeutung als Chorleiter und Komponist zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Attenhofers deutsche Messen

Nachdem Carl Attenhofer in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts unter den Opuszahlen 2, 20 und 55 schon drei lateinische Messen für gemischten Chor komponiert hatte, wurde zu Beginn der neunziger Jahre der Druck in der Christkatholischen Kirche der Schweiz auf Attenhofer immer grösser, auch eine deutsche Messkomposition zu schaffen. Der 2. Internationale Altkatholikenkongress in Luzern im Jahr 1892 setzte mit dem von Prof. Adolf Thürlings eigens für diesen Anlass geschaffenen Liederheft, das deutschsprachige Gemeinde- und Chorlieder enthielt, ein unübersehbares Zeichen. Dieser Kongress war der letzte Anstoss für Attenhofer, «nun an die Komposition einer grossen Messe mit deutschem Text zu gehen.» (Der Katholik 1893, S. 308)

Ein Jahr später war es so weit: Am 26. November 1893 wurde in Zürich die erste deutsche Messe Attenhofers op. 77 in C-dur vom dortigen christkatholischen Kirchenchor «Melodia» unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung gebracht. Dieser Messe ist in der Folgezeit bei den Kirchenchören in der Schweiz und in Deutschland, die auf Deutsch singen durften (also nicht bei den röm.-kath. Chören), ein überwältigender Erfolg beschieden gewesen. In den nun folgenden Jahrzehnten wurde die erste deutsche Attenhofer-Messe immer wieder gesungen und aufgeführt und auch mit einer Orchesterbegleitung versehen. Der Erfolg dieser Messe hat den Komponisten dazu ermuntert, in den folgenden Jahren vier weitere deutsche Messen zu schreiben.Die nächste Messe (op. 87 in D-dur) erlebte an Ostern 1896 ihre Uraufführung, ebenfalls in Zürich, ebenfalls unter der Leitung des Komponisten. Acht Jahre später wurde im gleichen Rahmen Attenhofers dritte deutsche Messe op. 119 in D-dur im April 1904 erstmals gesungen. Schon zwei Jahre später – im April 1906 – sang die «Melodia» Zürich als Uraufführung Attenhofers vierte deutsche Messe op. 127 in F-dur. Die letzte deutsche Messe Attenhofers op. 150 in C-dur ist die einzige dieser fünf Messen, die nicht mehr unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung gelangt ist. Attenhofer hatte sie schon 1911 komponiert, aber erst nach seinem Tod wurde sie an Weihnachten 1914 vom Zürcher christkatholischen Kirchenchor unter Attenhofers Kollegen Hans Häusermann erstmals gesungen. Carl Attenhofer ist grundsätzlich in seinen Messkompositionen (den lateinischen wie den deutschen) dem Cäcilianismus verpflichtet. D. h. er verbindet typisch romantische Harmonik (Stichwort Chromatik) mit Formelementen aus früheren Stilepochen (so der bemerkenswerte Teilschluss auf eine leere Quinte in Takt 69 des Agnus Dei der Messe op. 150).

Während der «strenge» Cäcilianismus seine musikgeschichtlichen Rückgriffe aber auf die Gregorianik, die Zeit der Renaissance, allenfalls des Barock beschränkt, gibt es bei Attenhofer auch Anklänge an Kompositionen aus der sonst im Cäcilianismus verpönten Zeit der Wiener Klassik (so erinnern die Takte 62 ff. der Messe op. 127 an gewisse Passagen in Joseph Haydns Schöpfung). Unübersehbar ist sein Bemühen, mit Hilfe der Fugentechnik (sogar Doppelfugen gibt es: z. B. in den Takten 15 ff. der Messe op. 119) den Geist der Barockzeit in seinen Kompositionen präsent sein zu lassen. Keiner der grossen Messteile Gloria und Credo kommt ohne eine kleine Fuge aus. Und da ist gleichzeitig auch die Beschränkung dieser Technik zu erkennen: zu wirklich gross angelegten Fugen gönnt sich der Komponist den Raum nicht. Schon nach wenigen Takten kehrt er zur (auch seinen Chören) vertrauten Homophonie bzw. Homorhythmik zurück. Attenhofer ist in der Regel ein solider Handwerker, ein Kenner seines Metiers. Es gibt aber immer wieder Stellen in seinen Messen, die die Ebene des soliden Handwerks überschreiten, die an Rheinberger oder sogar an Brahms erinnern. Und auch Johann Sebastian Bach hat hier und da Pate gestanden, wenn es um lautmalerische Ausgestaltung von Textstellen geht (so das Crucifixus im Credo der Messe op. 87, Takt 40 ff.).

Heinrich Kaminski

Kaminski wurde am 4. Juli 1886 in Tiengen (D) als Sohn eines alt-katholischen Pfarrers geboren. Er studierte in Heidelberg Nationalökonomie und in Berlin Musik (Klavier und Komposition). Von 1930 bis 1933 war er als Nachfolger Hans Pfitzners Professor für Komposition an der Preussischen Akademie der Künste Berlin. Danach hatte er als nazi-kritischer Geist sein Leben als freischaffender Komponist zu fristen. Neben bedeutenden Opernkompositionen stehen Kaminskis Lieder, Chorkompositionen und Instrumentalwerke. Am 21. Juni 1946 starb Heinrich Kaminski in Ried (D). In Kaminskis Œuvre mischen sich Überlieferung, Tendenzen der Zeit und die Impulse der eigenen, religiös betonten Individualität.

Heinrich Kaminskis Canzona und Canon für Violine und Orgel

In der Canzona (komponiert 1916) greift Kaminski die frühbarocke Form der in mehrere Abschnitte gegliederten Monodie auf und versieht sie mit polyphonen Elementen zwischen Violine und Orgel. Vorherrschend ist allerdings der «einfache Gesang». Der Canon (1931) weist eine polyrhythmische Konstruktion auf. Ständige Taktartwechsel und Metronomangaben ergeben ein bis ins kleinste auskomponiertes «Tempo Rubato». Dabei ist, bedingt durch den echten Kanon Violine/ Rechte Hand Orgel die rhythmische Struktur sehr kompliziert. Überhaupt erschliesst sich dem Hörer die komplexe Polyphonie wohl kaum auf den ersten Blick. So ist diese Musik zwar höchst artifiziell und konstruiert, vermag dennoch emotional zu berühren.

Hans Friedrich Micheelsen

Micheelsen wurde am 9. Juni 1902 in Hennstedt (D) geboren. Nach der Ausbildung zum Lehrer studierte er in Berlin Klavier, Orgel, Musiktheorie und Komposition (u. a. bei Paul Hindemith). Von 1938 bis 1961 war er Professor und Leiter der Abteilung für Kirchenmusik an der Musikhochschule Hamburg. In den letzten zwölf Jahren seines Lebens widmete er sich schwerpunktmässig seinem kompositorischen Schaffen, das aus geistlichen und weltlichen Chorwerken (u. a. der «Grenchener Messe» für fünfstimmigen gemischten Chor a cappella aus dem Jahr 1953), Orgelmusik und anderen Instrumentalwerken besteht. Am 23. November 1973 starb Micheelsen in Glüsing bei Hennstedt.

Micheelsens «Grenchener Orgelbuch»

Das «Grenchener Orgelbuch» ist vom Komponisten 1966 / 1967 ausdrücklich für den damaligen Organisten an der Grenchener christkatholischen Kirche St. Peter und Paul, Werner Christen, geschrieben worden, mit dem er befreundet war und der es am 12. März 1967 zur Uraufführung gebracht hat. Das ganze Werk besteht aus zwei Teilen, die 1966 («Choralmusik für Orgel») und 1971 («Meditationen für Orgel») im Druck erschienen sind. Für die vorliegende CD wurde die Kanzona aus dem 1. Teil des «Grenchener Orgelbuches» eingespielt. Ihr liegt der Choral «O Welt, ich muss dich lassen» zugrunde, der im Pedal der Kanzona erscheint.

Jost Meier

Jost Meier wurde am 15. März 1939 in Solothurn geboren. Nach dem Musikstudium (Hauptfach Violoncello) leitete er von 1971 bis 1979 als Chefdirigent die Orchestergesellschaft Biel. Schon bald war er ein gefragter Hochschullehrer an den Musikhochschulen von Biel, Basel und Zürich. Mehr und mehr etablierte er sich als freischaffender Komponist, dem seine Werke zahlreiche Preise einbrachten (Solothurn, Lausanne, Paris u. a.). In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts leitete Jost Meier den christkatholischen Kirchenchor «Zu Franziskanern» Solothurn.

Meiers Rhapsodie für Flöte und Klavier

Die kurze, ca. 7 Minuten lange Komposition ist ein eigentliches «Jugendwerk» Meiers. Sie entstand 1964 und wurde vom Komponisten für die Drucklegung 1993 revidiert. Neben der Fassung für Flöte und Klavier existiert auch eine solche für Flöte, Streicher und Vibraphon. Das Werk besteht aus zwei Teilen, einem langsamen ersten Teil (Molto andante) und einem raschen zweiten Teil (Allegro). Der erste Teil zeichnet sich durch schöne Kantilenen aus. Der zweite Teil ist zunächst geprägt vom Rhythmus des 5/8-Taktes, der gegen Schluss der Komposition von einer triolischen Bewegung abgelöst wird. Die Harmonien des Werkes bewegen sich in relativ konventionellem Rahmen.

Theodor Sack

Theodor Sack wurde am 14. Januar 1910 geboren und lebte bis zu seinem Tod am 19. Juli 1987 in Zürich, wo er bei Czeslaw Marek Klavier studierte. Selber ein ausgezeichneter Interpret, arbeitete Sack als Hauspianist am Radiostudio Zürich. Daneben engagierte er sich als Klavierlehrer im Schweizerischen Musikpädagogischen Verband (SMPV) und als Organist an der christkatholischen Augustinerkirche Zürich. Hier wirkte er auch von 1939 bis 1975 als Leiter des christkatholischen Kirchenchors. Sack komponierte neben Instrumentalwerken verschiedene Werke für gemischten Chor (u. a. eine lateinische Messe).

Theodor Sacks Sonate für Waldhorn und Klavier

Die 1956 entstandene dreisätzige Hornsonate ist eine sehr willkommene Bereicherung des Repertoires für diese Gattung. Die expressive und in den Ecksätzen auch virtuose Tonsprache stellt an beide Instrumente hohe Anforderungen. Der erste Satz ist geprägt durch ein kräftiges Fanfarenthema, welches wiederholt durch lyrischere Passagen im Dolce-Charakter kontrastiert wird. Im Mittelsatz herrscht eine träumerisch-impressionistische Grundstimmung, die wiederum durch den zweimaligen Einschub eines Allegretto-Teils markant kontrastiert wird. Zusätzlichen Farbenreichtum erreicht Sack durch einzelne gedämpfte Hornpassagen. Das Finale wirkt durch pointierte Taktwechsel in schnellem Tempo tänzerisch-virtuos und wird vom Klavier dominiert, nur im etwas elegischeren Mittelteil übernimt das Horn die Führung.

Messen, Vesper und Orgelmusik

Aufnahme: 16.-18. November 2012, Friedenskirche Bern
Aufnahmeleiter: Joël Cormier
Grafik: Annina Mosimann

Helene Ringgenberg (*1949)
Missa veni et ostende für Sopran, gemischten Chor und Orgel
Besetzung:
Catriona Bühler, Sopran
Bistumschor voces laudis
Ekaterina Kofanova, Orgel
Titel:
1.         Kyrie,   2:29
2.         Gloria,   5:23
3.         Sanctus,   1:02
4.         Agnus,   1:22

Heinrich Kaminski (1886-1946)
Ekaterina Kofanova, Orgel
5.         Orgelchoral Credo,   5:36

Theodor Sack (1910-1987)
Missa brevis in d-moll für Sopran, Alt, Tenor, Bass, gemischten Chor,
2 Trompeten, 2 Hörner und Orgel
Besetzung:
Catriona Bühler, Sopran
Alexandra Forster, Alt
Pascal Marti, Tenor
Roger Bucher, Bass
Vokalensemble altricanti
Raúl Calvo und Jose Forte, Trompeten
Antonio Lagares und Francisco Javier Rodriguez, Hörner
Ekaterina Kofanova, Orgel
Titel:
6.         Kyrie,   5:43
7.         Gloria,   4:36
8.         Credo,   6:55
9.         Sanctus,   1:29
10.       Benedictus,   2:19
11.        Agnus,   4:35

Heinrich Kaminski (1886-1946)
Ekaterina Kofanova, Orgel
12.       Choralvorspiel zu „Vater unser im Himmelreich“

Johann Sonnleitner (*1941)
An der Schwelle des Abends  für gemischten Chor, Viola, Posaune und Orgel
Besetzung:
Bistumschor voces laudis
Susanne Hasler, Viola
Sandro Oldani, Posaune
Johann Sonnleitner, Orgel
Vorsängerinnen und Vorsänger: Klaus Wloemer (Priester)
Adrienne Müller und Rahel Schaad, Sopran
Kristina Nyfeler und Gabriela Grossenbacher, Alt
Jürg Weingart und Moritz Achermann, Tenor
Beat Senn, Bass
Titel:
13.       Eröffnung und Lichtfeier,   10:17
14.       Weihrauchdarbringung mit Abendpsalm,   3:58
15.       Neutestamentliches Canticum: Magnificat,   4:09
16.       Bitten, Fürbitten und Abschluss,   7:39

Bezug
Christkatholischer Medienverlag, Schönenbuchstr. 8, Postfach 55, CH-4123 Allschwil 2 medienverlag@christkath.ch, Preis CHF 25.

Theodor Sack (1910-1987)

Der Zürcher Theodor Sack studierte Klavier bei Czeslaw Marek und liess sich auch zum Organisten ausbilden. Er arbeitete als Klavierlehrer und war Hauspianist des Radiostudios Zürich. Er betätigte sich zudem als Komponist von Chor- und Kammermusikwerken (1956 entstand seine Sonate für Waldhorn und Klavier, die für die zweite CD der Reihe „Christkatholische Kirchenmusik“ im Jahr 2008 eingespielt wurde). Von 1939 bis 1975 war Theodor Sack Organist an der christkatholischen Augustinerkirche Zürich und Leiter des dortigen Kirchenchors „Melodia“.

Im Winter 1948 / 1949 komponierte Theodor Sack für „seinen“ Zürcher christkatholischen Kirchenchor die Missa brevis in d-moll. Im Weihnachtsgottesdienst 1949 wurde sie in der Augustinerkirche zur Uraufführung gebracht; die bis zum Jahr 2013 letzte Aufführung der Messe erfolgte am Weissen Sonntag 1977 unter Sacks Nachfolger Urs Schmitt).

Die Partitur weist neben der Besetzung Soli, gemischter Chor und Orgel als Besonderheit die weitere Instrumentierung durch zwei Trompeten und zwei Waldhörner auf. Ganz ungewöhnlich für eine christkatholische Messkomposition seiner Zeit ist, dass Theodor Sack seiner Messe, die für den liturgischen Gebrauch im christkatholischen Gottesdienst geschrieben wurde, den lateinischen Text des Mess-Ordinariums (Kyrie – Gloria – Credo – Sanctus / Benedictus – Agnus Dei) zugrunde legt. Die christkatholischen Komponisten hatten sich seit Ende des 19. Jahrhunderts darum bemüht, Messen auf den deutschen bzw. (in der Romandie) französischen Text zu schreiben, um dem Bedürfnis der Kirche und vor allem der Kirchenchöre nach Ordinariumsvertonungen in der Volkssprache nachzukommen. Dass die Missa brevis Theodor Sacks in lateinischer Sprache daherkam, war wohl der Hauptgrund dafür, dass die Messe ausserhalb Zürichs nicht aufgeführt worden ist. Es wurde auch mit einem Kopfschütteln registriert, dass der Komponist im Text des Credo nicht auf die Hinzufügung des „filioque“ verzichtet hat (Takt 94), welches im offiziellen Text des christkatholischen Glaubensbekenntnisses nicht vorkommt.

Theodor Sack_Noten

Musikalisch fusst die Missa brevis Theodor Sacks auf der spätromantischen Harmonik, wobei der Komponist an vielen Stellen diese bewusst erweitert und überschreitet. Der Tritonus kommt in der Melodieführung (neben häufigen chromatisch auf- und absteigenden Linien) bemerkenswert oft vor. Theodor Sack verwendet nicht selten harte harmonische Reibungen (wie kleine Sekunden, grosse Septimen und kleine Nonen). Aber auch archaisierende Stellen fehlen nicht (so z. B. die Takte 19ff. des Gloria, die im Chor-Unisono an die Gregorianik erinnern). All das gibt der d-moll-Messe ein ausgeprägt individuelles, modernes Gepräge, das an die Sängerinnen und Sänger hohe Anforderungen stellt und damit auch ein interessanter Spiegel des Niveaus eines Kirchenchors in den ausgehenden vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist.

Die missa brevis in d-moll von Theodor Sack ist es wert, der Vergessenheit entrissen zu werden als ein Dokument kirchenmusikalischen Schaffens in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Die Eindringlichkeit, in der in den letzten Takten des Agnus Dei in einer durch innere Zerrissenheit geprägten Epoche der Weltgeschichte für den Frieden gebetet wird (Dona nobis pacem: Takte 33ff.), wird nicht leicht ihresgleichen finden.

 Klaus Wloemer

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